Proxmox Cluster aus zwei Nodes

Proxmox: 2 Hosts als Cluster – nur für die zentrale Verwaltung (ohne HA, ohne Ceph)

Manchmal will man gar keinen “High-Availability-Zauber”, kein Ceph, kein Shared Storage – sondern einfach nur beide Proxmox-Hosts in einer einzigen Oberfläche verwalten. Genau dafür eignet sich ein Proxmox-Cluster auch dann, wenn bereits VMs auf dem ersten Host laufen.

Die gute Nachricht: Eine vorhandene VM auf Host 1 ist kein Hindernis, um danach einen Cluster zu erstellen. Deine VMs bleiben lokal auf dem Host, auf dem sie liegen.

Was bringt dir so ein “Management-Cluster”?

Wenn du zwei Proxmox-Hosts in einem Cluster betreibst, bekommst du vor allem:

  • Eine gemeinsame Ansicht im Web-GUI (Datacenter → beide Nodes)
  • Zentrale Verwaltung von Usern/Rechten, Storage-Definitionen, Firewall, Netzwerken etc.
  • Einheitliches Handling bei Wartung, Updates, Monitoring

Was du nicht automatisch bekommst (und das ist wichtig):

  • Keine HA (wird nicht gebraucht, aber auch nicht “gratis” dabei)
  • Keine Live-Migration ohne Shared Storage (VMs liegen lokal → Live-Migration geht in der Regel nicht, Offline-Migration/Restore je nach Setup schon)

Kurz: Du bekommst Ordnung im Maschinenraum, aber keine Magie.


Wichtige Voraussetzungen: Netzwerk, Namen, Zeit

Damit Corosync (die Cluster-Kommunikation) stabil läuft, müssen diese Basics sitzen:

  1. Namensauflösung
    Jeder Node muss jeden anderen Node zuverlässig per Hostname erreichen. Empfehlung: internes DNS. Alternativ sauber gepflegte /etc/hosts auf beiden Nodes.
  2. Zeit-Synchronisation
    NTP/chrony muss laufen, damit es keinen Zeitdrift gibt. Zeitdrift + Cluster = “warum ist alles rot?”-Momente.
  3. Stabiles Cluster-/Management-Netz
    Ideal: eigenes VLAN/Netz für Management/Cluster (muss nicht, hilft aber).

Schritt-für-Schritt: Cluster erstellen (2 Nodes)

1) Cluster auf Host 1 erstellen

Im Web-GUI: Datacenter → Cluster → Create Cluster

Oder per Shell:

pvecm create <CLUSTERNAME>

2) Host 2 beitreten lassen

Im Web-GUI: Datacenter → Cluster → Join Cluster
(Dort bekommst du auch die Join-Infos von Host 1.)

Oder per Shell:

pvecm add <IP-von-Host1>

3) Status prüfen

pvecm status
pvecm nodes

Wenn beide Nodes sauber angezeigt werden und alles “grün” ist: geschafft.


Der Knackpunkt bei 2 Nodes: Quorum (und warum dich das sonst nervt)

Proxmox-Cluster sind quorum-basiert. Bei 2 Nodes passiert Folgendes:

  • Fällt ein Host aus, hat der verbleibende häufig kein Quorum.
  • Ergebnis: Cluster-Operationen werden teilweise blockiert (GUI-Aktionen, Services, Start/Stop kann je nach Zustand zickig werden).

Auch wenn du kein HA willst: Du willst vermutlich trotzdem, dass die GUI nicht beleidigt ist, nur weil ein Host gerade rebootet oder offline ist.

Deshalb ist bei 2 Nodes ein QDevice sehr empfehlenswert.


Empfehlung: QDevice hinzufügen (klein, effektiv, rettet Nerven)

Ein QDevice ist ein “Schiedsrichter” fürs Quorum. Das ist kein dritter Proxmox-Node, sondern nur ein Dienst (qnetd), der auf einem dritten System läuft, z. B.:

  • kleine VM
  • kleiner Debian/Ubuntu-Host
  • Raspberry Pi (wenn zuverlässig und sauber ans Netz angebunden)

1) qnetd auf einem dritten System installieren

Auf Debian/Ubuntu:

apt update
apt install corosync-qnetd
systemctl enable --now corosync-qnetd

2) Auf beiden Proxmox-Nodes qdevice einrichten

apt update
apt install corosync-qdevice
pvecm qdevice setup <IP-des-qnetd-hosts>

Danach prüfen:

pvecm status

Wenn du dann einen Node neu startest, bleibt der Cluster deutlich “entspannter”.


Notfall-Hebel ohne QDevice (mit Vorsicht)

Wenn du kein QDevice hast und ein Node ist weg (wirklich weg), kannst du im Notfall auf dem verbleibenden Node das Quorum “umstellen”:

pvecm expected 1

Achtung:

  • Nur anwenden, wenn du sicher bist, dass der andere Node nicht gleichzeitig irgendwo anders wieder “lebt”.
  • Bei Shared Storage wäre das Split-Brain-Gefahr deluxe. Bei rein lokalen VMs ist das Risiko kleiner, aber Cluster-Zustand bleibt Cluster-Zustand.

Fazit

Ein Proxmox-Cluster mit 2 Hosts nur für die zentrale Verwaltung ist absolut sinnvoll und schnell umgesetzt – auch wenn auf Host 1 bereits VMs laufen.

Wenn du es wirklich stressfrei haben willst, pack ein QDevice dazu. Das ist wenig Aufwand, kostet fast nichts und verhindert, dass dein Cluster bei einem Ausfall sofort in den “Quorum-Drama-Modus” geht.

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